15. Januar 2010

Antifakonferenz am 30.1. im Depot

Posted in 2010 um 4:53 pm von nowkr

Nachdem wir an diesem Wochenende nicht nur den Schmissgermanen die Feier vermiesen, sondern es auch mit antifaschistischen Inhalt füllen wollen, gibt es am Tag nach der Demo den Antifa-Kongress. Dieser soll Raum bieten für Vernetzung von antifaschistischen Aktivitäten in Hinblick auf ein paar Interventionsmöglichkeiten im Jahr 2010 wie z.B. beim Naziaufmarsch am 13. Februar in Dresden oder bei den deutsch-völkischen Feierlichkeiten zum 10. Oktober in Koroška/Kärnten. Zudem soll auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen angeregt werden. Drei Vorträge zum Thema „Kärntner Slowen_innen in der deutschen Volksgemeinschaft“, „Keine Versöhnung mit Deutschland – Gegen deutsche Opfermythen, Naziaufmarsch und bürgerliches Gedenken“ und „Perversion und Glück – Bürgerliche Männlichkeit im Bund: Faschos, Homos, Sados“, stehen für interessierte Menschen offen zum lauschen und mit diskutieren.

# Sa, 30.Jänner: 14h-22 Uhr, Antifa-Kongress
# Depot, Breite Gasse 3,1070 Wien

14.00 Uhr „Perversion und Glück –
Bürgerliche Männlichkeit im Bund: Faschos, Homos, Sados“

Die Faszination männlich markierter Körper für andere sogenannte Männer wird unterschiedlich intensiv zur Schau gestellt. Kameradschaft, Homo-Erotik und Dominanz äußern sich je für sich genommen nicht unbedingt in vergleichbaren Räumen, überschneiden sich aber und teilen ihre Voraussetzungen: eine Hierarchie sexueller Begehren, die eng an weitere identitäre Kategorien geknüpft ist.
Heldentum, Attraktion und Macht sind Attribute starker Subjekte, die ohne ihr Gegenteil keinen Sinn machen. Ihre volle Kraft erreichen sie im Bund, der nicht automatisch Männerbund sein muss, sondern genau so gut, Männlichkeit und damit die geschlechtliche Hierarchie zumindest punktuell destabilisieren kann.
Antifaschistische Politiken, die das Geworden-Sein von Subjekten als geschlechtliche und nationale Wesen nicht reflektieren, verkennen die Funktionen von Geschlecht und Nation in bürgerlichen Gesellschaften und damit auch ihre Rolle für die Faschismusgenese.
Das Fühlen von Geschlecht und Nation kann aufgebrochen werden. Dies muss schließlich auch Ziel antifaschistischer Praxen sein. Welche Strategien dafür geeignet sein können, ist Gegenstand diesen Vortrags und der anschließenden Diskussion.

17.00 Uhr „Dresden 2010 – Gegen Naziaufmarsch, deutsche Opfermythen und bürgerliches Gedenken“

Der seit 1998 in Dresden, anlässlich der Bombardierung der Stadt im Februar ’45, stattfindende Naziaufmarsch hat sich als ein bedeutendes jährliches Großevent in der bundesweiten Naziszene etabliert.
Spektrenübergreifend treffen sich jedes Jahr mehrere tausend Alt- und Neonazis um ihre geschichtsrevisionistische und Shoa verharmlosende Propaganda in die Öffentlichkeit zu tragen. Warum diese gerade in Dresden über Jahre hinweg nahezu ungestört möglich war, liegt an der allgemeinen Gedenkpraxis in Dresden. Jahreland fand hier eine fast ausnahmslose Stilisierung der Deutschen als Opfer statt. Die Ausblendung der Ursachen der Bombardierung sowie zahlreiche Mythen und Legenden boten Neonazis viele Anknüpfungsmöglichkeiten. In den letzten Jahren jedoch fand ein Wandel im Dresdner Gedenk-Diskurs statt, der sowohl eine artikulierte Abgrenzung von den Nazis als auch eine inhaltliche Verschiebung mit sich brachte. Doch trotz der offiziellen
Entmythologisierung, Versachlichung und Kontextualisierung des 13. Februars bleibt das Dresden-Gedenken in seinem Kern
geschichtsrevisionistisch und muss als solches kritisiert werden.

Der Vortrag gibt einen Überblick zum jährlich in Dresden stattfindenden Gedenken sowie dessen geschichtliche Entwicklung. Die Referent_innen gehen der These nach, dass das Gedenken in seinen verschiedenen Formen geschichtsrevisionistisch ist.
http://www.venceremos.antifa.net

19.00 Uhr „Kärntner SlowenInnen in der deutschen Volksgemeinschaft“

Am 10. Oktober 2010 jährt sich zum 90. mal die Kärntner Volksabstimmung über den verbleib Südkärntens bei Österreich. Zu diesem Anlass will die Kärntner Landesregierung, wie schon im Jahr 2000, zu einem Festumzug einladen. Dazu kommen noch Sonderbriefmarken und zahlreiche Ausstellungen. Zentraler Organisator der Feierlichkeiten ist der vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als „rechtsextreme Vorfeldorganisation“ eingestufte „Kärntner Abwehrkämpfer Bund“.
Der Grenzkonflikt nach dem Zerfall der österreich-ungarischen Monarchie wird in der deutschnationalen „Kärntner Ideologie“ als „Abwehrkampf gegen den slawischen Aggressor“ mystifiziert. Das „Ja zu A“ bei der Volksabstimmung habe gezeigt, dass dieses Land ein deutsches ist. Somit wurde mit der „Kärntner Einheit“ eine deutsche Volksgemeinschaft etabliert, die alles ausschließt oder „germanisieren“ will, was nicht in dieses identitäre Bild passt. Den Höhepunkt erreichte dieses wahnhafte Projekt in der Deportation von 917 slowenischsprachigen Menschen in deutsche Arbeitslager während des NS.
Bis heute ist der Deutschnationalismus das hegemoniale Prinzip in der Kärntner Politik, dessen konsequente Bedienung Jörg Haider zu seinem Erfolg verhilft.
Viellerorts entrüstet mensch sich an den deutschnationalen und rassistischen Alltagspraxen in Kärnten/Koroška, wie z.B.: die lächerlich anmutende Ablehnung zweisprachiger Ortstafeln oder die an NS Terminologie angelehnten Slogans wie „Kärnten wird einsprachig“ (BZÖ Inserat, 2006).
Doch kaum jemand fragt nach den historischen und gesellschaftlichen Bedingungen, denen diese antislawischen Ressentiments entspringen. Diesen Fragen wollen wir bei dem Vortrag nachgehen.
Es referiert Mirko Messner, Mitautor des Buches „Haiders Exerzierfeld – Kärntner SlowenInnen in der deutschen Volksgemeinschaft“.
http://www.myspace.com/aakoroska

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